DSGVO Verfahren gegen Zalando eingeleitet: Datenschutzbeauftragte prüft den Onlinehändler wegen möglicher Verstöße in Logistikzentren

Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit hat ein Prüfverfahren gegen den Online-Händler Zalando eingeleitet.
Grund sind die Systeme Zalos und Zafeto, die Zalando zur Optimierung der Abläufe in Logistikzentren einsetzt.
Auf die Datenschützer wirken diese Systeme wie eine engmaschige Kontrolle der Mitarbeiter. Jetzt wird geprüft, ob sie konform sind mit der Datenschutzgrundverordnung.

Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Maja Smoltczyk, hat ein Prüfverfahren gegen Zalando eingeleitet. Anlass dafür sind die digitalen Systeme „Zalos“ und „Zafeto“, die der Onlinehändler in seinen Logistikzentren nutzt, um Abläufe zu optimieren. Mit den Systemen erfasst Zalando viele Daten, zum Beispiel, wie viele Artikel Mitarbeiter in ihrer Schicht abarbeiten. Die Kennzahlen werden in monatlichen Feedbackgesprächen mit den Mitarbeitern in Leistungskurven visualisiert und besprochen. Business Insider hat exklusiv darüber berichtet.

Auslöser der Prüfung ist eine Beschwerde, die im Januar eingegangen ist. Daraufhin hat die Behörde noch im selben Monat das Verfahren eingeleitet, bestätigte eine Sprecherin.

„Es wirkt so, als sei die Kontrolle sehr engmaschig, die Zalando über die beiden Systeme Zalos und Zafeto über seine Mitarbeiter hat. Jetzt wird geprüft, ob das mit der Datenschutzgrundverordnung vereinbar ist“, sagt eine Sprecherin der Behörde zu Business Insider.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Datenschützer im Fall Zalando aktiv werden. Der Thüringer Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit teilte auf Anfrage mit, dass die Behörde im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt eine Kontrolle durchgeführt habe. Dies sei aber „einige Zeit her“ und „vor In-Kraft-Treten der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO)“ passiert. Mittlerweile liege die Zuständigkeit in Berlin, wo das Unternehmen Zalando seinen Sitz hat.

Die Berliner Datenschutzbeauftragte prüft außerdem das von Zalando eingesetzte Feedback-Tool „Zonar“, über das die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet hat.

Neue Erkenntnisse im Fall Zalando
Die Optimierung der Prozesse in der Logistik ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im gesamten Online-Handel. Nur wer hier erfolgreich ist, kann im Wettbewerb um die günstigsten Preise, die schnellste Lieferung und Angebote wie kostenlose Rückgaben mithalten. Zalando steht in der Branche in dem Ruf, mit eigenen Entwicklungen besonders konsequent zu optimieren.

Zahlreiche Mitarbeiter aus den Logistikzentren haben sich nach der Berichterstattung über Zalandos Systeme Zalos und Zafeto bei Business Insider gemeldet und über die Arbeitsbedingungen berichtet. Sie wollen anonym bleiben. Business Insider liegen außerdem Dokumente vor, in denen eine Führungskraft aus dem Zalando-Logistikzentrum in Erfurt den Arbeitsalltag schildert.

In den Logistikzentren tragen die Mitarbeiter sogenannte MDEs (Mobile Datenspeicher) bei sich. Das sind Geräte, mit denen sie die Artikel, die von Kunden bestellt worden sind, registrieren, diese also „picken“. Das System auf diesen MDEs heißt Zalos. Es zeigt dem Mitarbeiter an, wo sich der nächste Artikel befindet, den er auflesen muss. Es berechnet für den Mitarbeiter auch die genaue Laufstrecke zu diesem Artikel.

Einen wichtigen Grund dafür nennt die Führungskraft aus Erfurt: Der Pickbereich sei zu 100 Prozent auf Effizienz getrimmt und auf die Zahl der Schritte optimiert. Das geht aus den Dokumenten hervor, die Business Insider vorliegen.

Anhand des letzten „Picks“, also des zuletzt eingescannten Artikels und der vorgeschlagenen Route zum nächsten Artikel, wisse der Teamleiter etwa, wo sich Mitarbeiter aufhalten. Wenn diese beispielsweise in einem ganz anderen Bereich des Logistikzentrums sind und dort anfangen würden, Picks zu tätigen, würde es der Teamleiter schnell merken, so die Zalando-Beschäftigten gegenüber Business Insider.

Zalando-Angestellte aus den Logistikzentren, die mit Business Insider gesprochen haben, fühlen sich durch diese engmaschige Nachverfolgung in ihrer Arbeit stark kontrolliert. Einige sagen, dass es sich so anfühlt, als „würden sie mir die Luft zum Atmen nehmen.“

Business Insider hat Zalando um eine Stellungnahme gebeten. Zalando antwortete nicht auf die Fragen und ließ das über einen Anwalt mitteilen.

09:01, 30 Mai 2020 Philip Kaleta Business Insider

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